Fernweh

48. Innsbrucker Wochenendgespräche – 7. - 9. Mai 2026

Der Drang, die Welt zu erkunden und aus dem Alltag auszubrechen, ist ein tiefes menschliches Bedürfnis über alle Zeiten und Kulturepochen hinweg, Garant und Motor für Fortschritt. Das „Fernweh“ aber ist eine romantische Kategorie, und in der Tat ist es noch nicht lange her, dass die Menschen begonnen haben, aus reinem Vergnügen zu reisen. Das sentimentalische Fernweh indes, Ausdruck eines romantisch gebrochenen Lebensgefühls, ist eine unerfüllbare Sehnsucht geblieben. Die 48. Innsbrucker Wochenendgespräche gehen deshalb unter der Moderation von Carolina Schutti dem Thema „Fernweh“ nach. Doch das Fernweh der einen ist der Overtourism der anderen, was gerade in einer Region wie Tirol immer schmerzlicher spürbar wird, wo mit der Generierung und Inszenierung touristischer Sehnsüchte viel Geld verdient wird. So sollen in den Diskussionen zum Thema „Fernweh“ auch die Schattenseiten beleuchtet werden und die weniger romantischen Aspekte zur Sprache kommen.

Carolina Schutti setzt in Patagonien ihre Figuren am Ende der Welt aus und beobachtet, wie es weitergeht – oder besser: wie alles endet. Tatjana von der Beek erzählt in Blaue Tage von den Schwestern Leo und Emma, die von ihrem Vater nach Jahren des losen Kontaktes überraschend zu einem Segeltrip nach Griechenland eingeladen werden. Carolin Würfel berichtet in ihrem Roman Zuhause ist das Wetter unzuverlässig von einer Frau, die in einer neuen Stadt am Meer den Erwartungen entkommen will, nach denen sie ihr Leben zu lange ausgerichtet hat. Anette Selg beschreibt in ihrem Debüt Das Jahr, bevor ich verschwand zwölf Monate einer Lehrerin in der Mitte des Lebens, die von Fernweh geprägt sind. Ihr Sehnsuchtsort: Vietnam. Anna Rottensteiner hat gemeinsam mit Susanne Gurschler einen noch unveröffentlichten Band mit dem Titel Tourismus Tryptichon zusammengestellt. Alex Capus inszeniert in seinem Roman Das kleine Haus am Sonnenhang eine in unseren nördlichen Breiten weit verbreitete Sehnsucht: die vom Haus im Süden. Dietmar Krug hingegen hat beschlossen, gar nicht mehr zu reisen; in dem Essay Schluss damit! erklärt er, warum, und was er stattdessen in seiner näheren Umgebung entdeckt. Michal Hvorecky weiß über touristische Sehnsüchte ebenso Bescheid, wie er die Auswüchse und Unsitten der Branche satirisch zuzuspitzen weiß, was man zum Beispiel in Tod auf der Donau nachlesen kann. Selma Mahlknecht denkt in ihrem Essay Berg and Breakfast darüber nach, wie das Zusammenleben von Reisenden und Bereisten trotzdem gelingen könnte. Und Lois Hechenblaikner lässt uns in seinen Fotoarbeiten in die Abgründe der Tourismusindustrie blicken, was über die Jahre auch als Erzählung einer zunehmenden Desillusionierung lesbar wird.

Wir freuen uns auf Sie!

Birgit Holzner und Joe Rabl