Alex Capus

Geboren 1961 in der Normandie, lebt in Olten. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Reportagen. Bei Hanser erschienen u. a. Léon und Louise (Roman, 2011), Fast ein bisschen Frühling (Roman, 2012), Skidoo (Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens, 2012), Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (Roman, 2013), Mein Nachbar Urs (Geschichten aus der Kleinstadt, 2014), Seiltänzer (Hanser Box, 2015), Reisen im Licht der Sterne (Roman, 2015), Das Leben ist gut (Roman, 2016), Königskinder (Roman, 2018), Susanna (Roman, 2022) und Das kleine Haus am Sonnenhang (2024).

Als ich noch ein ziemlich junger Mann war, nicht mehr Student und noch nicht Schriftsteller, habe ich für fast kein Geld im Piemont ein kleines Haus gekauft. Es war ein wirklich kleines Haus. Ganz allein stand es in einem Seitental eines Seitentals an einem terrassierten Sonnenhang, der wohl einst ein Rebberg gewesen war. Hinter dem Haus befand sich ein Schuppen fürs Brennholz, davor ein kleiner Ziegenstall und das Waschhaus. Auf den obersten Terrassen wucherten ein paar alte, knorrige Stöcke, die im Herbst schwarze, süße ­Trauben trugen.
Wenn meine damalige Freundin und ich mit unserem gelben Renault 4 aus der Schweiz anreisten, bogen wir in Sichtweite des Hauses von der Strada Provinciale ab und schlingerten auf einem Feldweg hinunter zu einem ausgetrockneten Bachbett, das wir mit Karacho durchqueren mussten, um es auf der anderen Seite den steilen Hang hinauf bis zum Haus zu schaffen.
Wir blieben den ganzen Sommer in dem kleinen Haus.

Aus: Das kleine Haus am Sonnenhang, Hanser 2024

Portrait Alex Capus

Foto: Mergime Nocaj